Veröffentlicht in Alles auf einmal

Gastrezension: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Heute gibt es eine Gastrezension von Johanna (Bookpalast). Viel gibt es dazu eigentlich nicht mehr zu sagen, und unnötige in die Länge ziehen bringt auch nichts. Darum viel Spass beim Lesen! 🙂


„Das Leben ist ein Geschenk. Vergiss nicht, es zu leben.“ (S.155*)

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Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
Bildquelle: lovelybooks
  • Autorin: Nicola Yoon
  • Genre: Roman
  • Originaltitel: Everything, Everything
  • deutsche Ausgabe: 2015 beim Dressler Verlag

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern. Heute ist genauso wie gestern. Morgen wird genauso sein wie heute. Im Buch von Maddy sind alle Kapitel gleich.
Bis Olly auftaucht.“ (S.178*)

Madeline ist seit ihrer Geburt an einem schweren Immundefekt erkrankt, der es ihr unmöglich macht, ein normales Leben zu führen. Seit 17 Jahren hat sie das völlig keimfreie Haus nicht verlassen und alles und alle, die hineinwollen, müssen sich erst dekontaminieren lassen. Wobei die einzigen Personen, die das betrifft ihre Mutter, ihre Krankenschwester und gelegentlich ihr Architektur-Lehrer sind, denn Gäste haben sie nie.

„Im Grunde bin ich allergisch gegen die Welt. Alles kann einen Anfall auslösen. Es könnten die Chemikalien im Putzmittel sein, mit dem der Tisch abgewischt wurde, den ich gerade berührt habe. Es könnte das Parfüm von irgendwem sein. Oder das exotische Gewürz in meinem Essen. Es könnte eins davon sein, alles auf einmal, nichts davon oder etwas ganz anderes. Niemand weiß, was die Auslöser sind, aber alle kennen die Konsequenzen.“ (S.12*)

Madeline hat gelernt, nie mehr zu wollen als das, was sie bekommen kann, aber dieser Vorsatz wird umso schwieriger einzuhalten, als eines Tages Olly mit seiner Familie im Nachbarhaus einzieht. Der sportliche Olly, der alles verkörpert, was sie nicht haben kann und sich auch nicht wünschen darf, weil sie sonst aus ihrem Gefängnis ausbrechen will. Und alles riskieren.

„Das Leben ist viel mehr, als einfach nur lebendig zu sein.“ (S.326*)


Zunächst möchte ich ein großes Lob für die Gestaltung des Buches aussprechen. Das Cover sieht wunderschön aus und war bestimmt auch viel Arbeit und auch im Buch selbst wird der Text oft von Zeichnungen, Krankenblättern oder Chatverläufen unterbrochen, was mir mehr als einmal ein Grinsen aufs Gesicht gelockt hat.
Die Kapitel selbst sind sehr, sehr kurz, manchmal nur eine Seite oder eine Zeichnung. Das und der humorvolle Schreibstil bewirken, dass das Buch, das ohnehin nur 332 Seiten hat, sich fast wie von selbst liest und ehe man sich versieht, ist man schon fertig.

Wo wir nun das gesamte Drumherum abgehakt und mit einem fetten PLUS versehen haben, kommen wir nun allmählich mal zu den Charakteren und zum Inhalt.

Madeline hat ihr Haus ihr ganzes Leben lang nicht verlassen, es gibt Luftfilter, eine Sicherheitsschleuse, unechte Pflanzen und der pure Gedanke an ein Haustier würde bei ihr vermutlich eine schwerere Krankheit auslösen. Sie wird 24/7 kontrolliert: Atemzüge, Blutdruck, Zimmertemperatur, aber sie beschwert sich nicht, wie sie es einfach nicht anders kennt. Ihren 18. Geburtstag verbringt sie mir ihrer Mutter, ihrem Lieblingsfilm und Gesellschaftsspielen. Als Olly auftaucht, ändert sich alles, denn sie hatte natürlich noch nie Kontakt zu anderen Menschen und ist deshalb ziemlich blauäugig.
Insgesamt ist Madeline gut dargestellt und wirkt durchaus realistisch, auch wenn ich mich nicht wirklich mit ihr identifizieren konnte.

Das Thema des Buches ist wirklich ernst, denn obwohl der medizinische Name von Madelines Krankheit nie genannt wird, merkt man doch, wie sehr es sie und vor allem auch ihre Mutter, die einige Monate nach der Geburt ihrer schwerkranken Tochter sowohl Ehemann als auch Sohn an einen übermüdeten Lkw-Fahrer verlor, belastet. Ich finde es grundsätzlich gut, dass dieser Roman sich auch mit schwierigen Themen wie einer Krankheit, die die Lebensqualität stark beeinträchtigt, beschäftigt und sich damit von den 08/15-Love-Stories abhebt. Trotzdem hätte man vielleicht noch eine schwierige Entscheidung die Krankheit betreffend einbauen können, eine, bei der man sich unwillkürlich fragt, wie man selbst entscheiden würde.

Was den Inhalt angeht, plätschert wie in einem Jugendroman typisch – wenn auch vor dem Hintergrund von Madelines Krankheit – alles mehr oder weniger ruhig vor sich hin, es gibt einige kleinere und mittlere Katastrophen und dann kommt der PLOTTWIST DES JAHRHUNDERTS!!! Stellt ihn euch so vor:

Es ist, als würdet ihr einem alten Opi dabei zusehen, wie er mit seinem Rollator Walzer tanzt und dann urplötzlich fängt er an, Jumpstyle zu tanzen. Unwahrscheinlich, oder? Und völlig unrealistisch, wie besagter Opa sich dabei vermutlich sämtliche Knochen brechen würde.

vermisst.pngGenauso ging es mir mit dem letzten Viertel des Buches. Ich saß wirklich da und habe einfach nur noch die Stirn gerunzelt und mich gefragt, wohin das Potenzial sich verflüchtigt hat. Mit der Auflösung“ und diesem völlig aus der Luft gegriffenen Ende hat Nicola Yoon es sich wirklich zu einfach gemacht. Warum auch zusehen, wie der Opa sich mit seinem Rollator abmüht, wenn man ihn auch einfach springen lassen kann? Unvorhersehbarkeit ist eben auch nicht alles im Leben…
Da war anfangs so viel Potenzial, dass man es fast greifen konnte und im Laufe des Buches wird es auch ganz gut genutzt, aber dann stürzt die Potenzialkurve plötzlich ins Bodenlose. Und da bleibt sie auch und bringt mich fast dazu, eine Suchmeldung aufzugeben:

Alles in allem eine hübsche Verpackung aber nichts dahinter, wie bei einem Luftballon, der schön anzusehen ist, aber sobald man etwas tiefer bohrt, sieht man, was wirklich drin ist: nichts als heiße Luft und verschenktes Potenzial. Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt bleibt definitiv im Gedächtnis, wenn auch nicht durchweg positiv.luftballon_mit_stern.png

*ISBN: 978 3 7915 2540 2 (Print-Ausgabe)

Liebe Grüße an alle Leser, die bis hierhin durchgehalten haben und danke an nanacara und ramylu für ihren tollen Vorschlag.

Johanna, Bookpalast


Ein grosses Danke zurück für deine tolle Rezension! Ich empfehle jedem sich ein bisschen Zeit zu nehmen um auf ihrem Blog herum zu stöbern. 

-> Hier <- gibt es noch meine Meinung zum Buch. 

nanacara 😉

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Autor:

mylittleparadiseofbigdreams.wordpress.com

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